05.04.2017 • 13:30 - 15:00 Uhr • Symposien

Rahmenbedingungen

Tiermodelle – Notwendigkeit und Alternativen

Die Entwicklung neuer Therapien und insbesondere die Toxikologie kommen in der Regel nicht ohne wissenschaftliche Experimente an Tieren aus, die ebenso häufig in der Kritik der Öffentlichkeit stehen. Dieses Symposium zeigt auf, wo Tiermodelle unerlässlich sind, welche Alternativen entwickelt werden und wie die Informatik dabei effektiv unterstützen kann. Außerdem wird auf die Öffentlichkeitsarbeit von Seiten der Wissenschaft eingegangen, die das allgemeine Verständnis für wissenschaftliche Experimente an Tieren verbessern möchte.

Chair

Dr. Bernward Garthoff BIO.NRW Cluster Biotechnologie NRW

Dr. Bernward Garthoff ist seit Januar 2009 als Landesclustermanager Repräsentant des Landes NRW für Biotechnologie und führt seitdem das Cluster BIO.NRW.

Er studierte Veterinärmedizin, nach seiner Promotion zum Dr. med. vet. und wissenschaftlicher Arbeit begann er seine mehr als 30jährige Laufbahn bei der Bayer AG Anfang 1976.

Im Bereich der pharmazeutischen Forschung besetzte Herr Garthoff verschiedene leitende Positionen in Deutschland und USA, u.a. für den Herz-Kreislauf- als auch den Biotechnologie-Bereich.

Mit dem Wechsel 1994 in die Geschäftsleitung des Bayer Pflanzenschutzes im Portfoliomanagment, übernahm er in den Folgejahren die mit der Akquisition von Aventis CropScience verbundene Integration der neuen Gesellschaft Bayer CropScience AG, deren Vorstand er ab Schaffung Mitte 2002 angehörte.

Er war Mitglied des Private Sector Committees der CGIAR (Weltbank), ist Beirat und Vorsitzender im Vorstand der Rottendorf Stiftung, der ein 90 Mio. € global aktives Pharmaunternehmen gehört und das u.a. soziale Projekte unterstützt. Bernward Garthoff war und ist Vorstands- bzw. Aufsichtsratsmitglied in weiteren Stiftungen und Verbänden, so Vice President des EuropaBio Boards sowie dessen Schatzmeister und Chairman des AgriFood-Councils. Von 2006 bis 2009 übernahm Dr. Garthoff den Vorstandsvorsitz der DIB (Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie) im VCI. Er unterstützt die Arbeit des BMEL im Tierschutz durch seine Mitarbeit in Kommissionen und Arbeitsgruppen.

Vorträge

Dr. Rudi Loesel Projektträger Jülich GmbH

Das 3R-Prinzip – vier Jahrzehnte Forschungsförderung des BMBF

Dr. Tanja Hansen Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM)

Dr. Tanja Hansen leitet die Abteilung In vitro und Mechanistische Toxikologie am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin in Hannover. Die Abteilung bietet in-vitro-Testverfahren an, die bei der präklinischen Untersuchung pharmakologisch wirksamer Substanzen sowie zur toxikologischen Bewertung von Substanzen zum Einsatz kommen.

Dr. Tanja Hansen studierte Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die anschließende Doktorarbeit verfasste sie an der Medizinischen Hochschule Hannover in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule (Schwerpunkt: Entwicklung von Zellkulturmodellen für präklinische Untersuchungen).

Direkt im Anschluss an die Promotion wechselte sie an das Fraunhofer ITEM in Hannover, wo sie sich weiterhin mit der Entwicklung und Optimierung von Zellkulturmodellen beschäftigte. 2003 übernahm sie zusätzlich die Leitung der Arbeitsgruppe Klinische Chemie und Hämatologie. 2005 erhielt sie die Anerkennung als Fachtierärztin für Pharmakologie und Toxikologie.

Forschungsschwerpunkte der Abteilung sind unter anderem die in-vitro Testung von luftgetragenen Substanzen und die toxikologische Testung von Nanomaterialien. Das Fraunhofer ITEM ist an einer Vielzahl nationaler und internationaler Forschungsprojekte beteiligt, welche die Entwicklung von tierversuchsfreien Testmethoden zum Ziel haben, beispielsweise an dem Europäischen Großforschungsprojekt EU-ToxRisk.

Alternativmethoden für die Inhalationstoxikologie? Erfolge und Grenzen

Dr. Wolfgang Boomgaarden PharmaInformatic Boomgaarden

Im Jahre 1988 begann Dr. Wolfgang Boomgaarden das Studium der Chemie an der Universität Oldenburg. Nach einem Auslandsjahr an der Universität UMIST in England setzte er das Chemie-Studium in Marburg fort, um sich auf Biochemie zu spezialisieren. Die anschließende Doktor-Arbeit verfasste er an der Universität Bonn im Arbeitskreis von Prof. Dr. Vögtle (Schwerpunkte: Organische Chemie, Supramolekulare und Nano-Chemie, Pharmakologie).

Direkt nach der Promotion arbeitete er vier Jahre in einem Berliner Biotechnologie-Unternehmen als wissenschaftlicher Berater der Geschäftsführung und in der Forschung. Die von ihm entwickelten Software-Produkte (u.a. virtuelle Screening Verfahren, Druglikeness) werden seit 2001 in Pharma-Unternehmen zur Optimierung der Wirkstoff-Entwicklung eingesetzt.

Im Jahre 2002 kehrte er zurück in seine Heimatstadt Emden, um dort als Lehrbeauftragter und W2-Professor an der Hochschule Emden Bioinformatik zu unterrichten. Dort gründete er auch im April 2004 das Biotech Unternehmen PharmaInformatic, welches aus Daten und Wissensdatenbanken Vorhersage-Modelle (Software-Produkte) mit Hilfe von künstlicher Intelligenz entwickelt. Die Computer-Verfahren werden international von forschenden pharmazeutischen Unternehmen eingesetzt und ersetzen Tierversuche in der Medikamenten-Entwicklung.

Künstliche Intelligenz ersetzt Tierversuche: Wirkstoff-Optimierung mit IMPACT-F

Prof. Dr. Dr. Axel Haverich Medizinische Hochschule Hannover

Professor Axel Haverich ist seit 1996 Direktor der Klinik für HTTG-Chirurgie der MHH. Das Studium der Humanmedizin hat er wie auch seine komplette chirurgische Ausbildung an der MHH absolviert. Von hier war er als Chefarzt der Herz- und Gefäßchirurgie in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel für den Zeitraum 1993 bis 1996 berufen worden.
 
1995 erhielt Professor Haverich den Leibniz-Förderpreis für deutsche Wissenschaftler von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG). Mit diesem Preis gründete er 1996 das Grundlagenforschungslabor der HTTG-Klinik, die Leibniz Forschungslaboratorien für Biotechnologie und künstliche Organe (LEBAO). Dort wurde für viele wissenschaftliche Erfolge der Grundstein gelegt. Es gelang hier dem Wissenschaftler Haverich und seinen Mitarbeitern, eine biologische Herzklappe herzustellen, die mit dem Patienten wächst.
 
Professor Haverich ist Mitherausgeber des international renommierten wissenschaftlichen "European Journal of Cardio-thoracic Surgery". Im Jahr 2006 wurde das Exzellenzcluster "REBIRTH", das auf die wesentliche Initiative von Professor Haverich zurückzuführen und deren Sprecher er ist, nach einem bundesweiten Wettbewerb gefördert. Hier werden Möglichkeiten der regenerativen Therapie erforscht.

Neben zahlreichen Vorsitzen war er von 2010 bis 2011 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Professor Haverich ist als leidenschaftlicher Arzt und Chirurg u.a. Berater der Bundesregierung in medizinischen Fragen. Zahlreiche international bahnbrechende Entwicklungen im Gebiet der Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie sind unmittelbar auf seinen unermüdlichen Einsatz in Klinik und Forschung zurückzuführen, bei denen Professor Haverich stets nur ein einziges Ziel verfolgt: Das Wohl seiner Patienten.

Tiermodelle in der Implantatforschung

Dr. Roman Stilling Informationsinitiative "Tierversuche verstehen"

Roman Stilling hat Biowissenschaften an der WWU Münster und Neurowissenschaften an der International Max-Planck Research School in Göttingen studiert. Von 2009 bis 2013 arbeitet er an seiner Doktorarbeit über epigenetische Mechanismen der Gedächtnisbildung und der Gehirnalterung am European Neuroscience Institute in Göttingen unter Anleitung von Prof. Dr. André Fischer und wurde im April 2013 promoviert. Im Anschluss absolvierte er bis Mitte 2016 einen Postdoktorandenaufenthalt am APC Microbiome Institute in Cork, Irland zum Thema Einfluss des Mikrobioms auf die neuronale Entwicklung und das Sozialverhalten von Mäusen unter Anleitung von Prof. John F. Cryan und Prof. Timothy G. Dinan. Seit September 2016 ist Roman Stilling wissenschaftlicher Referent für die Informationsinitiative „Tierversuche verstehen“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen (www.tierversuche-verstehen.de).

Tierversuche verstehen - eine Informationsinistiative der Wissenschaft

Zurück